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Informationen zu Erfurt:
Erfurt ist die Landeshauptstadt und zugleich die größte Stadt des Freistaates
Thüringen und die sechstgrößte der
Neuen Bundesländer. Die Universitätsstadt ist eines der drei Oberzentren des Landes,
katholischer Bischofssitz, Sitz des Bundesarbeitsgerichts und eine kreisfreie Stadt.
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Die Einwohnerzahl der Stadt Erfurt überschritt 1905 die Grenze von 100.000, wodurch sie zur
Großstadt wurde. Heute ist Erfurt Mittelpunkt des Ballungsraumes "Thüringer Städtekette", der
sich als Korridor entlang der Bundesautobahn 4 über 100km von Gotha bis Gera erstreckt und
ca. 600.000 Einwohner hat.
Die nächsten größeren Städte sind
Leipzig, 105 km Luftlinie nordöstlich,
Kassel, 115 km nordwestlich,
Hannover, 180 km nordwestlich,
Frankfurt am Main, 190 km südwestlich
und
Dresden, 210 km östlich.
Das Stadtgebiet Erfurts gliedert sich in 53 Stadtteile. Hiervon bilden 36 zugleich eine
Ortschaft im Sinne des § 45 der Thüringer Kommunalordnung. Die Ortschaften wurden durch die
Hauptsatzung der Stadt Erfurt eingerichtet. Dabei handelt es sich meist um räumlich getrennte
Dörfer, die ehemals selbständige Gemeinden waren. Für 33 Ortschaften gibt es jeweils einen
vom Volk anlässlich einer Bürgerversammlung gewählten Ortschaftsrat, der je nach
Einwohnerzahl der Ortschaft zwischen 4 und 10 Mitglieder hat. Drei Ortschaften bilden mit
benachbarten Ortschaften einen gemeinsamen Ortschaftsrat. Vorsitzender dieses Gremiums ist
der ebenfalls vom Volk gewählte Ortsbürgermeister. Die Ortschaftsräte sind zu wichtigen, die
Ortschaft betreffenden Angelegenheiten zu hören.
Geschichte der Stadt Erfurt:
1664 eroberten französische und Reichsexekutionstruppen des Mainzer Kurfürsten und Erzbischof
Johann Philipp von Schönborn Erfurt. Damit begann die kurmainzische Herrschaft.
Sachsen
verzichtete auf seine Schutzherrschaft. Erfurt wurde nun zusammen mit dem Eichsfeld von einem
Mainzer Statthalter regiert. 1682 und 1683 erlebte Erfurt die schlimmsten Pestjahre seiner
Geschichte, allein 1683 erlag über die Hälfte der Erfurter Bevölkerung der tödlichen
Krankheit. Am 21. Oktober 1736 zerstörte eine Feuersbrunst 188 Häuser in der Gegend zwischen
Erfurter Dom, Rathaus und Predigerkirche.
1802 kamen Stadt- und Landgebiet Erfurt gemäß dem preußisch-französischen Vertrag als
Entschädigung zum Königreich Preußen. Nach der Niederlage der Preußen bei der Schlacht von
Jena und Auerstedt am 17. Oktober 1806, wurde die Stadt kampflos durch die Truppen Napoleons
besetzt. Dieser erklärte 1807 Erfurt mit Blankenhain zu einer kaiserlichen Domäne. 1808
empfing Napoléon Zar Alexander I. und die Fürsten des Rheinbundes zum Erfurter
Fürstenkongress (auch Erfurter Kongress), in dessen Folge es zu einem Bündnisvertrag zwischen
Frankreich und Russland kam, der aber in der Folgezeit nicht eingehalten wurde. Napoleon
nutzte die Zeit in Erfurt unter anderem, um Johann Wolfgang Goethe kennenzulernen.
1814 endete nach erfolgreicher Belagerung durch preußische, österreichische und russische
Truppen die französische Besetzung und 1815 wurde Erfurt aufgrund des Wiener Kongresses
wieder dem Königreich Preußen zugesprochen, welches den größten Teil des Erfurter
Landgebietes und das Blankenhainer Gebiet an Sachsen-Weimar-Eisenach abtrat. 1816 wurde die
Universität Erfurt geschlossen. Im gleichen Jahr wurde Erfurt Stadtkreis (kreisfreie Stadt)
und Sitz der preußischen Bezirksregierung (Regierungsbezirk Erfurt), welche dem
Oberpräsidenten der preußischen Provinz Sachsen in
Magdeburg unterstand. Der Stadtkreis
Erfurt wurde jedoch bereits 1818 wieder mit dem Landkreis Erfurt verbunden. Am 1. Januar 1872
schied die Stadt erneut aus dem Landkreis Erfurt aus und wurde kreisfrei. Die Festung wurde
1873 aufgehoben und abgerissen.
Mit der Ansiedlung wichtiger Maschinenbaubetriebe wurde Erfurt im ausgehenden19. Jahrhundert
ein bedeutender Industriestandort. So gründete 1857 Christian Hagans eine Lokomotiven- und
Maschinenfabrik, 1888 Otto Schwade die „Deutsche Automat-Dampfpumpen-Fabrik“, 1902 Hugo John
eine Fabrik für Schornstein-Aufsatz und Blechwaren sowie Henry Pels die „Berlin-Erfurter
Maschinenfabrik“.
Eine besondere Bedeutung spielt in Erfurt auch heute noch der Gartenbau und die Saatzucht.
Diesem Umstand verdanken eingeborene Erfurter den Spitznamen „Puffbohne“. Eine wichtige Rolle
spielt hier seit 1867 die Firma „N. L. Chrestensen“.
Eine Gewerbezählung im Jahre 1883 ergab, dass Erfurt deutschlandweit in der Erwerbsgärtnerei
an erster Stelle, in der Schuhfabrikation an fünfter Stelle und in der Konfektionsproduktion
an achter Stelle stand. Im Oktober 1891 fand in Erfurt der Erfurter Parteitag der deutschen
Sozialdemokraten, die sich seit 1890 „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ SPD nannten,
statt.
1906 wurde Erfurt mit 100.000 Einwohnern Großstadt. Der 1. Weltkrieg kostete 3.579 Erfurter
Bürger das Leben. Als 1920 das Land Thüringen mit der Landeshauptstadt Weimar gebildet wurde,
wurden die preußischen Gebiete Thüringens einschließlich Erfurt nicht miteinbezogen. Zwischen
1929 und 1932 war Erfurt von der Weltwirtschaftskrise betroffen. Die Produktion ging auf
weniger als die Hälfte zurück und die Arbeitslosigkeit erreichte Höchststände, sodass das
Gedankengut der Nationalsozialisten bei großen Teilen der Bevölkerung auf Zustimmung stieß.
1933 übernahm die NSDAP die Kontrolle über die Stadt; in der Feldstraße wurde eines der
ersten Konzentrationslager errichtet. In den folgenden Jahren wurde die wirtschaftliche
Entwicklung durch die einsetzende Rüstungsproduktion bestimmt. Dazu entstanden auch neue
Industriebetriebe, wie die Feinmechanische Werke GmbH Erfurt (FEIMA), das Telefunkenwerk und
die Reparaturwerk Erfurt GmbH (REWE), welche von Josef Jacobs, einem mit dem Pour le Mérite
ausgezeichneten Piloten, gegründet wurde. Daneben wurden sechs neue Kasernenanlagen und der
Fliegerhorst Erfurt-Bindersleben gebaut und der Flughafen Erfurt-Nord erweitert. 1938 zählte
Erfurt zu den größten Garnisonen des Deutschen Reiches. In der „Reichskristallnacht“ wurde
die Synagoge niedergebrannt und die Verschleppung der jüdischen Bewohner begann. Im Jahr 1940
begann die Erfurter Firma J. A. Topf und Söhne die Zusammenarbeit mit der SS. In den
folgenden Jahren lieferte das Unternehmen die Krematorien, Belüftungsanlagen und gasdichte
Türen für die Konzentrationslager in Dachau, Buchenwald und Auschwitz. Im Zweiten Weltkrieg
erlebte Erfurt 27 Luftangriffe, dabei verloren ungefähr 1600 Menschen ihr Leben. Zahlreiche
Gebäude wurden zerstört, aber im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten hielt sich das
Ausmaß der Zerstörung mit ungefähr 17% der Wohnungen in Grenzen. Am 13. April 1945 besetzten
Einheiten der 3. US-Armee unter Befehl des Generals George S. Patton die Stadt. Danach
stellte am 1. Juli die preußische Bezirksregierung ihre Tätigkeit ein. Die Stadt wurde mit
dem Regierungsbezirk Erfurt dem Land Thüringen zugeordnet. Am 3. Juli übernahmen schließlich
Einheiten der Roten Armee aufgrund des 1. Londoner Zonenprotokolls von 1944 und der
Beschlüsse der Konferenz von Jalta die Stadt, Erfurt wurde Bestandteil der sowjetischen
Besatzungszone.
1945 begann Erfurt sich langsam von den Folgen des Krieges zu erholen. 30.000 Kubikmeter
Schutt wurden aus den Straßen geräumt, die Straßenbahn und die Gasversorgung wieder in
Betrieb gesetzt und die Schulen eröffnet. 1948 wurde Erfurt durch den Thüringer Landtag
zur thüringischen Landeshauptstadt ernannt, bevor im Jahr 1952 das Land Thüringen aufgelöst
und in drei Bezirke eingeteilt wurde, wobei Erfurt Sitz des Bezirks Erfurt wurde.
Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts begann der großflächige Abriss des
Krämpferviertels am östlichen Rande der Altstadt. Durch die folgende Verbreiterung des
Juri-Gagarin-Ringes und den Neubau von 11- bis 16-geschossigen sowie bis zu 120 Meter
langen Plattenbauten wurde das bis dahin unzerstörte und durch Kirchtürme geprägte Stadtbild
dauerhaft beeinträchtigt. Zusätzlich entstanden bis Ende der siebziger Jahre am Stadtrand
die großen Wohngebiete Johannesplatz, Nordhäuser Straße, Rieth und Roter Berg mit zusammen
über 17.000 Wohnungen.
1970 kam Bundeskanzler Willy Brandt nach Erfurt und traf den stellvertretenden Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph. Er zeigte sich unter anderem am Fenster des Hotels „Erfurter Hof“, das gegenüber dem Bahnhof liegt. Die Menge begrüßte ihn mit „Willy, Willy“- und "Willy Brandt ans Fenster"-Rufen.
1989 kam es auch in Erfurt zu immer größeren Demonstrationen, die schließlich den
politischen Umbruch einleiteten. Am 4. Dezember 1989 wurde das Gebäude der Staatssicherheit
von Erfurter Bürgern besetzt und eine Bürgerwache eingerichtet. 1991 stimmten 49 von 88
Abgeordneten des Landtags für Erfurt als Thüringer Landeshauptstadt.Im Jahr 1994 erfolgte
die Neugründung der Erfurter Universität; ebenfalls in diesem Jahr wurde das Bischöfliche
Amt Erfurt-Meiningen, das seit 1973 bestand, zum Bistum Erfurt erhoben.
Das Bild der Stadt Erfurt hat sich in den Jahren seit der Wende deutlich verändert. Fast
alle Gebäude der historischen Altstadt wurden saniert, an manchen Stellen entstanden
Neubauten. Am 26. April 2002 erlangte Erfurt durch den Amoklauf im Gutenberg-Gymnasium
tragische Berühmtheit.
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